Bernd Flemisch, Inga Ulusoy, March 27, 2026
(Bild: Adam Pagan, CC-BY-4.0 Lizenz)
Die 6. Konferenz für Forschungssoftwareentwicklung in Deutschland, deRSE26, ist an der Universität Stuttgart erfolgreich zu Ende gegangen. Die dreitägige Konferenz brachte mehr als 280 Teilnehmende aus Universitäten und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammen. Ihr ging der erste Stuttgarter Tag der Forschungssoftware voraus.
Die deRSE26 fand vom 3. bis 5. März 2026 auf dem Vaihinger Campus der Universität Stuttgart statt. Die Veranstaltung diente als Forum für Personen, die Forschungssoftware in allen wissenschaftlichen Disziplinen entwickeln, pflegen und nutzen.
Das Programm umfasste rund 90 Poster sowie 100 Vorträge, Workshops und andere interaktive Formate in bis zu fünf parallelen Programmsträngen. Die Beiträge behandelten Themen wie Software Craftsmanship, Emerging Computing & Infrastructure, Open Science & Collaboration, Data Analysis & AI, und Community, Policy & Career Development.
Die Teilnehmenden deckten ein breites Spektrum an Fachgebieten ab, darunter Ingenieurswissenschaften, Natur- und Lebenswissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Community Building und Zusammenarbeit über Fachgrenzen, Institutionen, Geschlechter und Karrierestufen hinweg.
Zu den Höhepunkten des Konferenzprogramms gehörten zwei Plenarvorträge und eine Podiumsdiskussion. In seinem Plenarvortrag sprach Wolfgang Bangerth von der Colorado State University über die Herausforderungen bei der Entwicklung zuverlässiger, skalierbarer Simulationssoftware in komplexen Anwendungsbereichen. Er hob hervor, wie systematisches Software-Engineering, langfristige Community-Entwicklung und offene Zusammenarbeit es ermöglichen, dass fortschrittliche numerische Methoden in der Praxis eingesetzt werden. Der Vortrag veranschaulichte, wie sich Forschungssoftware über Jahrzehnte hinweg weiterentwickeln kann, ohne dabei an Wartbarkeit und Überprüfbarkeit einzubüßen.
Morane Gruenpeters Plenarvortrag konzentrierte sich auf die Nachhaltigkeit und Governance von Forschungssoftware im weiteren Ökosystem der Open Science. Sie erörterte, wie Praktiken wie klare Lizenzierung, persistente Identifikatoren und strukturierte Metadaten dazu beitragen, Software auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar zu machen. In ihrem Vortrag betonte sie, dass verlässliche Rahmenbedingungen und Community-Standards unerlässlich sind, um die langfristige Aufbewahrung und Anerkennung von Forschungssoftware-Ergebnissen zu gewährleisten.
Die Podiumsdiskussion befasste sich mit der zukünftigen Strukturierung des Forschungssoftware-Ökosystems in Deutschland. Die Podiumsrunde brachte Perspektiven aus Forschung, Infrastruktur und Politik zusammen, um über Anerkennung, Finanzierungsmodelle und Karrierewege für Forschungssoftwareentwickelnde zu diskutieren. Die Diskussion beleuchtete, wie Institutionen und Förderorganisationen Software besser als primäres Forschungsergebnis anerkennen können, und löste während der gesamten Konferenz intensive Folgegespräche unter den Teilnehmenden aus.
„Die hohe Teilnehmendenzahl bei der deRSE26 zeigt, dass Forschungssoftwareentwicklung fest als Kernkomponente der modernen Wissenschaft etabliert ist“, sagt Bernd Flemisch, der Konferenz-Chair. „Wir beobachten eine wachsende Anerkennung für die Menschen, Prozesse und Infrastrukturen, die zuverlässige, wiederverwendbare wissenschaftliche Software ermöglichen.“
Die Veranstaltenden kündigten zudem an, einen Tagungsband zu veröffentlichen. Autor*innen sind eingeladen, erweiterte Versionen ihrer Beiträge für einen speziellen Open-Access-Band in der Zeitschrift ECEASST einzureichen.
Die deRSE26 setzte die Reihe der Konferenzen zur Forschungssoftwareentwicklung in Deutschland fort, die von de-RSE e.V. - Gesellschaft für Forschungssoftware ins Leben gerufen wurde. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung nationaler und internationaler Vernetzung für die Förderung der beruflichen Anerkennung, der Karrierewege und der Ausbildungsmöglichkeiten für Research Software Engineers (RSEs).
Das Organisationskomitee dankt allen Mitwirkenden, Volunteers und lokalen Helfenden, deren Einsatz die Konferenz ermöglicht und zu einem Erfolg gemacht hat. Die finanzielle Unterstützung durch das NFDI-Konsortium NFDI4ING, die Exzellenzcluster SimTech, IntCDC und [ctd.qmat] (https://www.ctdqmat.de/), sowie die Sonderforschungsbereiche ATLAS und SFB 1313 wird dankbar anerkannt.
Die Planungen für die nächste Ausgabe der Konferenz für Forschungssoftwareentwicklung in Deutschland sind bereits im Gange; weitere Einzelheiten werden auf der de-RSE-Webseite bekannt gegeben. Diese Konferenzen werden größtenteils von der Community organisiert, und alle Unterstützenden sind herzlich willkommen!